
Mit Charly Hübner und Lars Jessen nach Sizilien
13.08.2026 | Kinostart „Spaziergang nach Syrakus“

In „Spaziergang nach Syrakus“ spielt Charly Hübner einen DDR-Bürger, der sich das Reisen nicht verbieten lässt. Auch die Filmcrew rund um den schleswig-holsteinischen Regisseur Lars Jessen reiste für die Dreharbeiten einmal quer durch Deutschland – bis runter nach Sizilien. Wie die Flucht über die Ostsee in einem Wassertank in Enge-Sande gedreht wurde und warum die Geschichte auch heute noch aktuell ist, verraten wir euch hier. Kinostart: 20. August.
Von Daniel Szewczyk
Als Filmemacher Lars Jessen das erste Mal von der Geschichte um den DDR-Bürger Paul Gompitz hörte, war die deutsche Wiedervereinigung noch in greifbarer Nähe. Mitte der 90er bekam Jessen – zu dieser Zeit Regieassistent bei der Lindenstraße – den Roman „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ von Friedrich Christian Delius in die Hände, der auf einer wahren Begebenheit beruht: „Ich hab den Roman damals regelrecht verschlungen, da er die DDR mal ganz anders erzählt hat. Klar, er zeigt auch das autoritäre System, aber mit viel Witz und Skurrilität. Mein Blick auf die DDR war danach ein anderer“, sagt Jessen. Bis er sich an die filmische Umsetzung wagte, sollten jedoch noch einige Jahre ins Land gehen.

Neue Aktualität
Als im Jahr 2015 durch Kriege in ihren Heimatländern zahlreiche Menschen aus Syrien und Afghanistan nach Deutschland kamen, nahm Jessen den Roman erneut in die Hand. Was macht es mit einem Menschen, wenn er in seinem eigenen Land grundlegende Rechte nicht mehr ausüben kann und sogar um sein Leben fürchten muss? Wenn es keine Gewaltenteilung mehr gibt? Die Seiten des Romans bekamen neue Aktualität. Und zeitgleich beschäftigte sich auch Schauspieler und Freund Charly Hübner mit dem Roman. Die beiden tauschten sich aus – und die Idee für den Film nahm Form an. Anfang der 2020er spürten zu Zeiten der Corona-Pandemie erneut viele Menschen, wie es ist, wenn die Freiheit eingeschränkt ist. Ein bisschen Paul steckte zu dieser Zeit in uns allen und bekräftigte Jessen darin, seinen Film voranzutreiben.

Der Dreh
Im Jahr 2025 war das Projekt „Spaziergang nach Syrakus“ dann endlich soweit gereift und finanziert, dass es in den Dreh gehen konnte – und der hatte es in sich: Die Reise führte die Filmcrew von Schleswig-Holstein einmal durch Deutschland bis nach Südtirol und letztendlich Sizilien: „Ich war noch nie so viel unterwegs für einen Film. Logistisch war das eine ziemliche Herausforderung“, verrät Jessen. Das Team legte die komplette Strecke mit der Bahn zurück, um den CO₂-Abdruck möglichst gering zu halten. Lediglich ein Teil des Equipments durfte mit dem Auto reisen.

Um jedoch nicht die gesamte Reise von Paul Gompitz in bewegten Bildern erzählen zu müssen, bediente sich das Team eines kreativen Tricks: Ein Teil der Reise wurde in animierten Postkarten erzählt, die Paul seiner Frau Anne Gompitz (gespielt von Lina Beckmann) von verschiedenen Stationen seiner Reise in die DDR schickt. „Um im Budget zu bleiben, muss man manchmal kreativ werden. Felix Schlüter und sein Team von Typeholics und Pauls Boutique haben da ganze Arbeit geleistet“, verrät Jessen.


Der Wassertank in Enge-Sande
Eine echte Herausforderung war auch Pauls Überquerung der Ostsee von Hiddensee rüber nach Dänemark. Den stürmischen Teil der Fahrt konnte das Team natürlich nicht auf offener See drehen – und buchte sich deshalb für zwei Tage in den Wassertank der Firma OffTec im schleswig-holsteinischen Enge-Sande ein. Für Schauspieler Charly Hübner ein echter Kraftakt: „Charly musste zehn Stunden im Wellenbad des Wassertanks drehen. Da es so sehr hallte, konnten wir nur mit Handzeichen kommunizieren – und das Boot wankte zeitweise wirklich ordentlich. Charly ist hart im Nehmen, aber auch er hatte im Anschluss stundenlang einen schwankenden Gang“, verrät Regisseur Lars Jessen.


Planet Narratives
Mit der Initiative Planet Narratives, die Jessen gemeinsam mit der Medien- und Umweltrechtlerin Nicole Zabel gegründet hat, setzt der Regisseur sich für planetares Erzählen ein – also Geschichten, in denen die Themenfelder Nachhaltigkeit und Demokratie unterhaltsam verpackt sind. Bei „Spaziergang nach Syrakus“ steht der Wert der Demokratie ganz klar im Fokus, ohne dabei den erhobenen Zeigefinger rauszuholen. „Ich möchte zeigen, was die Vorzüge des politischen Systems sind, in dem wir leben – gerade angesichts der aufziehenden autokratischen Tendenzen“, so Jessen.
Dass ihm das mehr als gut gelungen ist, davon kann sich das Kinopublikum ab dem 20. August selbst überzeugen.
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