MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein

In Nepal gedreht, in Hamburg geschnitten, Weltpremiere in Cannes

12.05.2026 | "Elephants in the Fog"

Bislang hat sich der Nepalese Abinash Bikram Shah vor allem mit Kurzfilmen und als Drehbuchautor einen Namen gemacht, nun legt er mit „Elephants in the Fog“ sein Spielfilmdebüt vor. Geschnitten wurde der Film von Andrew Bird und Paris J. Ludwig in Hamburg Altona. Die Lübecker zischlermann filmproduktion und die Kölner Die Gesellschaft DGS sind maßgeblich beteiligt. Im Mai feiert der Film in Cannes seine Weltpremiere.

Von Britta Schmeis

 

Es liegt nicht unbedingt auf der Hand, dass ein nepalesischer Film eine direkte Verbindung nach Norddeutschland hat. Eine Verbindung, die alle Beteiligten als „perfect match“ bezeichnen. Ebenso wenig scheint die Geschichte einer Gemeinschaft von Transfrauen in Nepal eine universelle zu sein. Doch das Langspieldebüt „Elephants in the Fog“ des nepalesischen Regisseurs Abinash Bikram Shah beweist das Gegenteil. Maßgeblich daran beteiligt sind Andrew Bird und Paris J. Ludwig, die den Film in Hamburg geschnitten haben – dank der MOIN Filmförderung und den deutschen Co-Produzenten, der  Lübecker zischlermann filmproduktion und der Kölner Produktionsfirma Die Gesellschaft DGS. In Cannes (12. – 23. Mai 2026) feiert „Elephants in the Fog“ in der Sektion Un Certain Regard seine Weltpremiere.

Drei Männer sitzen vor mehreren Computerbildschirmen
Arbeit im Hamburger Schnittraum: v.l. Paris Ludwig, Abinash Bikram Shah, Andrew Bird

„Es geht um Familie“, erzählt Abinash im Spätsommer in dem Altonaer Schneideraum. Es ist keine Familie im herkömmlichen Sinne, sondern eine Gemeinschaft von Transgender-Frauen, den sogenannten Kinnar, die ihre Familienmitglieder selbst wählen, und dann als Mütter mit ihren Töchtern zusammenleben. Sie selbst haben sich strenge Regeln auferlegt: Die Kinnar-Frauen dürfen keinen engen Kontakt zu Männern haben und schon gar keinen Sex. Es ist eine jahrhundertealte Tradition.

Entscheidung zwischen Liebe und Gemeinschaft

Abinash konzentriert sich in seinem Film auf die Matriarchin Pirati, die mit ihren drei mehr oder weniger erwachsenen Töchtern in einer solchen Gemeinschaft in einem kleinen nepalesischen Dorf lebt, umgeben von einem mit wilden Elefanten bevölkerten Wald. Diese Tiere sind Bedrohung und Schutz zugleich. Pirati selbst hat eine Beziehung zu einem Mann. Es ist eine Beziehung im Verborgenen und voller Heimlichkeiten, auch wenn die Töchter etwas zu ahnen scheinen. Die Situation eskaliert in einem Streit mit einer ihrer Töchter, die wenig später verschwindet. Pirati setzt alles daran, sie zu finden. Doch dabei schlägt ihr der Hass, die Verachtung und Ablehnung der Dorfbewohner entgegen. Den Kinnar will niemand helfen, im Gegenteil. In der Gemeinschaft hat Pirati da inzwischen ihre Stellung als Matriarchin verloren, nachdem ihre Beziehung bekannt wurde. Pirati muss sich zwischen der Liebe und der Verantwortung für ihre Kinder und die Gemeinschaft entscheiden.

Als Produzenten mit an Bord: v.l.: Martin Rehbock, Michael Henrichs

„Ich habe diese Frauen in Nepal immer wieder gesehen und dann erzählte mir eines Tages ein befreundeter Produzent, dass er eine Kinnar-Frau kennt, deren Tochter verschwunden und irgendwann tot gefunden wurde“, sagt Abinash. Dieser Produzent hatte die Idee daraus einen Film zu machen, auch um zeigen, was es bedeutet, in Nepal queer zu sein. Und weil Abinash fasziniert war: „Diese Frauen haben ihre eigenen Rituale, Regeln und auch eine eigene Sprache, für ihre eigene Sicherheit, damit sie von anderen nicht verstanden werden.“ Ursprünglich war da die Idee zu einem Kurzfilm, doch schnell war Abinash klar, dass er damit der komplexen Geschichte nicht gerecht werden würde.

 Wie wird Gemeinschaft gelebt?

„Dieser Film ist aus einer Notwendigkeit entstanden“, sagt Michael Henrichs von der Produktionsfirma Die Gesellschaft DGS. Der Notwendigkeit, verschiedene Perspektiven zu erzählen. „Das Thema, so weit weg es auch scheint, ist universell“, sagt er weiter. Denn es geht in „Elephants in the Fog“ auch um Ausgrenzung, Toleranz und die Frage, wie weit man für andere Menschen geht und welche Menschen man für ein Zusammenleben wählt, wie Gesellschaft und Gemeinschaft gelebt wird. Vor 15 Jahren hatte Michael Abinash während eines Workshops in Kathmandu kennengelernt. Seitdem standen sie immer im Kontakt. „Ich bin einfach von Abinashs Talent, Können und Sensibilität absolut überzeugt“, sagt Michael.

 Editing made in Altona

Allerdings war es gar nicht so einfach, Geld für ein solches Projekt zu bekommen, erzählt der Lübecker Co-Produzent Martin Rehbock von der zischlermann filmproduktion. Daher seien neben Partnern aus Nepal auch Frankreich, Brasilien, Norwegen und eben Deutschland daran beteiligt. Die MOIN Filmförderung hat das Projekt mit 65.000 Euro unterstützt. Das gab Abinash die Gelegenheit mit Andrew Bird zu arbeiten, der seit vielen Jahren unter anderem Filme von Fatih Akin editiert und auch für den Schnitt des Oscar-Kandidaten „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ verantwortlich war.

„Ich habe während des Schnitts so viel von Andrew gelernt“, schwärmt Abinash. Andrew habe einen objektiven und sehr genauen Blick für das Wesentliche. „Vor allem habe ich gelernt, weniger Material zu drehen.“ Die erste Version war drei Stunden lang, die finale ist nun weniger als zwei Stunden lang. „Und ich vermisse nichts“, sagt Abinash zum Ende der Arbeiten in Hamburg. Neben Andrew war auch Paris J. Ludwig für den Schnitt verantwortlich. Sie arbeitet seit acht Jahren als Andrews Assistentin. „Elephants in the Fog“ ist ihre erste eigenständige Arbeit als Editorin. Und auch für sie ist Abinash voller Bewunderung und Anerkennung: „Sie ist eine von uns und sie versteht es wie Andrew, mit ihrem Editing Bilder, Stimmungen und Geschichte aus unserm Material zu holen, die uns manchmal selbst nicht bewusst waren.“

„Abinash, der Schnitt hier in Hamburg mit Andrew und Paris und unsere beiden Produktionsfirmen aus Köln und Lübeck, das ist einfach ein perfektes Match“, sagt Martin Rehbock. Die MOIN Filmförderung hat von Beginn an an Abinash, den Film und das ganze Team geglaubt. Die Einladung nach Cannes gibt allen recht.

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