MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein

Ein Denkmal für die Sternbrücke

25.09.2026 | „Sternbrücke Forever“ beim FilmFest Hamburg

Drei Männer stehen mit Kameraequipment nebeneinander - es regnet leicht. Im Hintergrund sieht man das Schild "Astra Stube"
v.l.: Marvin Hesse (Kamera), Timo Selengia (Ton) und Filmemacher Christian Hornung. Credits: Gulliver Theis

Eine Brücke, die zu einem echten Politikum geworden ist: In „Sternbrücke Forever“ dokumentiert Filmemacher Christian Hornung (Manche hatten Krokodile) die letzten zwei Jahre des ikonischen Bauwerks, das Heimat für Clubs, Bars, Geschäfte und Schanzenbewohner*innen war. Fast pünktlich zu Eröffnung der neuen Brücke feiert der Dokumentarfilm seine Weltpremiere beim FilmFest Hamburg 2026.

Von Daniel Szewczyk

In den letzten Jahren hat Christian Hornung oft mit Leuten aus ganz Deutschland gesprochen. Nachvollziehen konnte zunächst kaum jemand, warum eine einzige Brücke die Gemüter so erhitzt wie die Sternbrücke im Herzen Hamburgs. Doch für viele Hamburger*innen ist das Areal ein echter Mikrokosmos, den es so in Hamburg kein zweites Mal gibt. Und diesen Mikrokosmos wollte Hornung in bewegten Bildern festhalten: „Ich bin über zehn Jahre beinahe jeden Tag mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit unter der Brücke durchgefahren. Als 2020 der Entwurf für die neue Brücke präsentiert und plötzlich ein Abriss konkret wurde, wuchs in mir der Impuls, einen Film über diesen besonderen Ort zu machen, bevor er endgültig verschwindet.“

Viele Menschen stehen vor der Sternbrücke und singen gemeinsam mit einer Band ein Lied
Es wurden viele Kundgebungen an der Sternbrücke abgehalten. Copyright: jip film & verleih

Die Bewohner*innen der Sternbrücke

Nachdem die Finanzierung stand, starteten die Dreharbeiten im Jahr 2022. Doch bevor Hornung und sein Team mit der Kamera loszogen, näherte er sich dem Bauwerk aus verschiedenen Blickwinkeln. Sein erster Weg führte ihn in einen kleinen Kiosk unter der Brücke, in dem er sich einfach etwas zu trinken kaufte und mit Kioskverkäuferin Martina ins Gespräch kam. „Das war ein sehr guter Ausgangspunkt für mich. Martina kannte viele Leute aus der Nachbarschaft und durch sie habe ich weitere interessante Menschen kennengelernt. Von hier aus habe ich dann meine Fühler ausgestreckt“, sagt Hornung. So lernte er zum Beispiel Andreas kennen, der hier schon seit vielen Jahren lebt und Stammgast im Kiosk war. Oder Robert, der die Kreuzung aus seinem Dachfenster immer bestens im Blick hatte. Oder Stefan mit seiner Autowerkstatt, der einer der Hauptprotagonisten des Films ist. Oft musste Hornung bei Drehterminen trotz Verabredungen unverrichteter Dinge wieder gehen – es war dann einfach niemand zu Hause oder der Club noch gar nicht geöffnet. „Die Menschen an der Sternbrücke hatten ihren eigenen Rhythmus“, sagt der Regisseur.

Die Dreharbeiten bei den Clubs unter der Sternbrücke brauchten deutlich mehr Absprache und Vorbereitungszeit. „Das sind ja Safe Spaces – deshalb haben wir dort auch weniger die Besucher*innen gefilmt, sondern beispielsweise die Türsteher in den Fokus gerückt“, so Christian Hornung. In seinen 20ern sei er hier auch manchmal unterwegs gewesen – das sei dementsprechend aber schon etwas her, sagt der 49-Jährige und lacht. Für viele ist das Areal mit Fundbureau, Waagenbau und Astra Stube aber Teil ihrer Jugend. Logisch, dass das für emotionale Verbundenheit sorgt und das Unverständnis für die Abriss der Brücke befeuert.

(K)ein politischer Film

Rund 250 Stunden Filmmaterial hat Hornung von 2022 bis 2024 in mehreren Drehblöcken gefilmt. Da lange Zeit nicht sicher war, wann die Brücke wirklich abgerissen wird, haben sie mit vielen Akteuren vor Ort gedreht und nicht alle Menschen und ihre Geschichten haben es in den fertigen Film geschafft.

Alte Häuserfassaden - auf einem Dach ist klein ein Kamerateam zu sehen.
Das Team hat die Brück aus unterschiedlichsten Winkeln in den Blick genommen. Copyright: Johnny Johnson

Ein politisches Statement wollte Hornung mit seinem Film eigentlich nicht setzen. Die politischen Dimensionen kamen dann erst Stück für Stück hinzu. „Die Sanierung der historischen Brücke wäre sicher sehr schwierig gewesen, eine neue Brücke wahrscheinlich unausweichlich. Die Frage war aber immer: Warum dieser Entwurf? Mit einer behutsameren Planung unter Berücksichtigung des Umfelds, möglicherweise auch einem Architektur-Wettbewerb, hätte eine Brücke entstehen können, die sich viel besser in den Stadtteil integriert!“ sagt Hornung. So haben es auch Szenen in den Film geschafft, in denen den Anwohner*innen die Entwürfe der jetzigen Brücke gezeigt werden. Für viele kamen die Visualisierungen einem schlechten Scherz gleich.

Made in Hamburg

Während der Drehs war Hornung meistens mit Kameramann Marvin Hesse und Tonmeister Timo Selengia unterwegs – geschnitten hat er den Film selbst in seinem Büro in der Fux Genossenschaft in Altona. Der Ton wurde in den Freudenhammer Tonstudios gemischt, das Grading fand bei Post Republic statt. Und auch die Produktionsfirma kommt aus Hamburg: Tamtam Film, mit denen Hornung auch schon bei „Manche hatten Krokodile“ vor rund zehn Jahren zusammengearbeitet hat.

Frei Männer, die mit Kameraequipment unter der Stahlbrücke stehen.
Under the Bridge: v.l. Timo, Christian und Marvin bei den Dreharbeiten

Und das Warten auf seinen neuen Film hat sich gelohnt: Auch wenn es am Ende kein Happy End für die Sternbrücke gab, hat Christian Hornung dem Bauwerk und seinen Bewohner*innen ein filmisches Denkmal gesetzt, das auch wieder das Potenzial zum Kultfilm hat. Viele der Menschen, die zu Wort kommen, werden den Film beim FilmFest Hamburg zum ersten Mal sehen. „Ich bin wirklich sehr aufgeregt, denn ich fühle auch eine große Verantwortung gegenüber den Protagonist*innen im Film“, sagt Hornung.  Doch er freue sich auf das Heimspiel, bevor dann am 4. Oktober die deutschlandweite Kinotour startet. Und wir freuen uns auch. Die Weltpremiere findet am 26. September um 14.30 Uhr im Cinemaxx Dammtor statt.

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