Tür an Tür in Steilshoop: „Lord“ feiert Weltpremiere
25.09.2026 | FilmFest Hamburg 2026

Ein Langfilmdebüt vom Rande der Gesellschaft: In ihrem Drama „Lord“ setzt Filmemacherin und Hamburg Media School-Absolventin Caren Wuhrer die perspektivlose Lord (17) und die lebensmüde Betty (78) ins Zentrum der Geschichte. Gedreht wurde fast komplett in Hamburg Steilshoop. Jetzt feiert der im Rahmen des Talentprogramms Nordlichter entstandene Film seine Weltpremiere beim FilmFest Hamburg.
Ein Gespräch mit ihrer Großmutter vor einigen Jahren über deren Sorge ihr langjähriges Zuhause zu verlieren, war der Anstoß zur Filmidee. „Ich habe ihr angeboten, dass sie zu mir in meine WG einziehen könnte – davon wollte sie aber nichts wissen“, sagt Filmemacherin Caren Wuhrer und lacht. Doch das Thema ging ihr nicht mehr aus dem Kopf und sie machte sich erste Gedanken über eine filmische Umsetzung. Recht schnell kam die Figur Lord hinzu: Eine 17-Jährige, die armutsbetroffen am Hamburger Stadtrand aufgewachsen ist – und die in der 78-Jährigen Betty eine Verbündete findet.
Recherche in Steilshoop
Wuhrer fing an, Jugendhäuser in und um Hamburg zu besuchen und mit den Jugendlichen und Leitungen dort zu sprechen. Auch in dem Hamburger Stadtteil Steilshoop war sie unterwegs – also der Stadtteil, in dem „Lord“ später auch gedreht werden sollte. „Wir waren immer wieder da, um zu sehen, wie der Stadtteil mit seinen 22.000 Einwohner*innen funktioniert. Und natürlich auch, um die Wohnungen für Betty und Lord zu finden. Beide Wohnungen mussten bedingt durch das Drehbuch nebeneinander liegen, im gleichen Haus, Tür an Tür – und bezahlbar für das Debütfilmbudget. Das war alles andere als leicht“, verrät Produzent Markus Mayr, der den Film mit seiner Hamburger Firma MÄKSMY Films produziert hat – auch für ihn sein Langfilmdebüt.

Ein echter Türöffner (im wahrsten Sinne des Wortes) war Motivaufnahmeleiter Aykut Akcil, der in Steilshoop aufgewachsen ist: „Ohne Aykut wäre das Projekt in der Form nur schwer möglich gewesen. Er kannte alles und jeden in Steilshoop und hat uns bei vielen Locations extrem geholfen. Auch an eine der zwei Drehwohnungen kamen wir nur dank seiner Hilfe“, sagt Markus Mayr. Zuvor war Aykut Akcil Teilnehmer des GetOnSet-Programms von Hamburg Media School und der MOIN Filmförderung, das sich an Leute richtet, die einen Quereinstieg in die Branche suchen. „Lord“ war sein erstes Projekt als Motivaufnahmeleiter. Auch für Hauptdarstellerin Lina Isabell Sturm ist es eine Premiere: Sie ist zum ersten Mal in einem Langfilm zu sehen. „Wir haben Lina in einem offenen Casting mit über 400 Bewerber*innen gefunden – uns war im Casting schnell klar, dass mit Lina ein waschechter Lord zur Tür herein kam. Lina ist ein sehr feinfühliger Mensch, und fühlt und arbeitet sich tief in die Rolle rein. Das war ein schöner und intensiver gemeinsamer Prozess. Außerdem konnte sie 13 Klimmzüge. Also genau die Kombination, die wir brauchten“, sagt Wuhrer.


Nordlichter-Programm
Gedreht wurde „Lord“ im Frühjahr 2026 an gerade einmal 21 Tagen, 18 davon in Steilshoop. Der Film entstand im Rahmen des Nordlichter-Talentprogramms von NDR, nordmedia und der MOIN Filmförderung. Mit einem Budget von 1,15 Millionen Euro. „Das Nordlichter-Programm verkürzt die Zeit von Entwicklungsbeginn zu Drehbeginn, weil die Finanzierung sichergestellt ist. Das ist toll, doch der Zeitdruck für die Entwicklung bis zum fertigen Drehbuch ist enorm, alles geht sehr schnell“ Wuhrer ergänzt: „Als feststand, dass wir ins Nordlichter-Programm kommen, begann ich mit dem Treatment und dann dem Drehbuch. Der Kern ist über den gesamten Prozess gleich geblieben, doch wir mussten viel probieren und verlieren, um die Geschichte immer wieder auf den Budgetrahmen hin anzupassen.“ Zum Glück war das Team hinter der Kamera eingespielt: Kameramann Felix Tonnat und Editorin Maxi Willmann kannte Wuhrer bereits vom Studium an der Hamburg Media School, wo die drei gemeinsam an ihrem Abschlussfilm gearbeitet hatten.


Ist „Lord“ ein politischer Film? „Lord erzählt von konkreten Lebensrealitäten zweier Menschen in unserer Gesellschaft. Ich hoffe, der Film läd dazu ein über die Strukturen nachzudenken, die das Leben meiner Figuren prägen. Wenn man das als politisches Filmemachen versteht, dann kann ich mit dieser Bezeichnung sehr gut leben.“

Am 27. September feiert der Film um 18.30 Uhr seine Premiere im CinemaxX Dammtor. Neben Cast und Crew werden auch Motivgeber*innen aus Steilshoop mit dabei sein. Wer keine Karte mehr bekommt, kann den Film dann auf kleinem Bildschirm im Laufe der nächsten Monate in der ARD-Mediathek und im NDR Fernsehen genießen. Vielleicht sogar gemeinsam mit der „großen Mutter“. So hieß der Film ursprünglich – weil Caren Wuhrer ihre Großmutter so nennt. Ein Film für jung und alt, dem wir in jedem Fall einen großen Erfolg auf seiner Reise wünschen.





